Ethik managen – eine Perversion
Es gibt Hotelmanager, Industriemanager und Bankmanager. Jetzt gibt es, höre ich, auch Ethikmanager. Und auch CSR-Manager. Das sind jene Leute, die sich in Unternehmen und sonst wo um gutes Benehmen ihrer Organisation kümmern.
Sie sollen offenbar managen, dass Korruption, Belügen der Öffentlichkeit, Irreführung der Konsumenten, Ausbeutung der Mitarbeiter und Verpestung der Umwelt nicht passieren. All das sollen sie steuern und kontrollieren.
So wie man die Produktion oder den Umsatz steuern und kontrollieren kann.
Dieser Hype an gesellschaftlicher Verantwortung resultiert wohl aus den aufgedeckten Skandalen der letzten Jahre. Ethikmanager sollen also gegensteuern und für mehr Moral im politischen und wirtschaftlichen Handeln sorgen.
Womit sich die Frage stellt: Kann man Ethik; Moral und Verantwortung managen? Kann jemand, der für Ethik bzw. CSR im Unternehmen verantwortlich ist, die Top-Manager und alle anderen Mitarbeiter umerziehen und zu braven Bürgern machen?
Oder liegt es nicht am Ethik-Verständnis der Führung und an der daraus resultierenden Unternehmenskultur, ob eine Institution ethisch agiert oder nicht?
Lässt sich Ethik verordnen und managen? Lässt sich Moral managen?
Ist es nicht primär eine Frage des gelebten Vorbildes und der herrschenden Werte, ob Ethik in einer Organisation eine Chance hat? Wie soll denn ein Ethikmanager erfolgreich sein, wenn nicht in der täglichen Geschäftsabwicklung ethisch gehandelt wird, beim Einkauf, in der Produktion, im Verkauf, in der Kommunikation nach außen und nach innen?
Eigene „Moral-Manager“ sollen dieses Thema stemmen? Oder sollen sie nur als Alibi herhalten, um vorzuzeigen, dass das Unternehmen Verantwortung übernimmt?
Und im allerschlimmsten Fall werden diese CSR- und Ethik-Spezialisten dazu verwendet, zugkräftige Marketingthemen aus dem Boden zu stampfen und den Verkauf mit „Tu Gutes und rede darüber“ tatkräftig zu unterstützen.
Herbert Krejci hat schon recht gehabt, wenn er gesagt hat: „Anständig ist man oder man ist es nicht“. Wenn bei den handelnden Akteuren Moral ein Fremdwort ist, wird wohl auch kein Ethikmanager helfen.
Wir brauchen also ethisch handelnde Verantwortungsträger in den Institutionen und keine Ethikmanager. Wir brauchen Public Relations, wie sie seit Jahrzehnten in der seriösen Literatur beschrieben werden: verantwortungsvoll, am Gemeinwohl orientiert, ehrlich und offen – kurzum Kommunikation mit ethischen Grundwerten.
Wir benötigen somit keine Ethik- und Moralmanager, sondern ethisch geprägte und ethisch agierende Führungskräfte – auch im Kommunikationsmanagement.
Franz Bogner
(Die Beiträge in der Rubrik “Meinung” geben ausschließlich jene der Autor/-innen wider und liegen in deren Verantwortung. Sie können, müssen aber nicht, sich mit den Ansichten der Redaktion bzw. des PRVA decken.)

