17. 5. 2012

Juli 6, 2010 von Pirchner  

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European Communication Monitor 2010

Falls Sie noch unschlüssig sind, welche Lektüre Sie in den Urlaub begleiten soll, hier ein Tipp: Versuchen Sie es doch mit dem European Communication Monitor 2010, einem 122 Seiten starken Bericht über den Status quo der europäischen PR-Branche, den es als kostenloses PDF (für Smartphones und andere elektronische Geräte) und als kostenpflichtige Printausgabe bei Helios Media gibt.

Auch wenn der Vorschlag etwas eigenartig anmuten mag – es gibt Thriller, die sich weit weniger spannend lesen. Immerhin zeichnet der Bericht, der auf der Online-Befragung von fast 2000 PR-Fachleuten aus 46 europäischen Ländern fußt, ein minutiöses Bild über die (Selbst)einschätzung einer Profession, ihrer Rolle und Positionierung und ihre Zukunft.

Zufrieden im Job

Mit 80% ist die weitaus überwiegende Mehrheit der Befragten (55% davon weiblich) mit ihrer beruflichen Situation zufrieden, v.a. wenn die Bezahlung stimmt. Hier fällt auf, dass auch in der PR-Branche nach wie vor eine geschlechterspezifische Einkommensschere klafft. Insgesamt schätzen die PR-Leute die Vielfalt und Abwechslung, die ihnen ihre Tätigkeit bietet.

Einschränkend wird aber deutlich, dass die “Work-Life-Balance” nicht optimal ist; die KollegInnen in Südeuropa werten zudem die Unsicherheit ihres Arbeitsplatzes und die Karriereaussichten als negativ.

Primäre Rolle: Unterstützung der Unternehmensziele

Befragt, wie sie ihre Rolle innerhalb ihrer Organisation sehen, antworteten 85%, dass ihre primäre Rolle die Unterstützung der Unternehmensziele sei, nur 62% meinen, dass sie sich verantwortlich fühlten, an der Definition der strategischen Ziele mituzuwirken. Immerhin um 1,8% mehr als in der 2009er Befragung. Wie es im Bericht heißt, sind 72% der Meinung “we build immaterial assets.” “We facilitate business processes,” argumentieren immerhin 64%.

85% konzentrieren sich auf die Unterstützung der Unternehmensziele

Wer Großteil sieht PR nach wie vor in einer unterstützenden, weniger in einer gestaltenden Rolle. (Quelle: ECM 2010; www.communicationmonitor.eu)

Die Strategic Facilitators (die der Report als jene PR-Leute typisiert, die an der Entwicklung der strategischen Ziele mitwirken und die Unternehmensziele durch gezieltes Kommunikationsmanagement intensiv unterstützen) finden sich v.a. in Nordeuropa (mit 62% liegen sie geringfügig über dem gesamteuropäischen Durchschnitt von 58%).

Leicht Verbesserungen gibt es auch bei der Akzeptanz im Top-Management. 3 Viertel der Befragten geben zu Protokoll, vom C-Level ernstgenommen zu werden, 72% werden zu Strategie-Meetings eingeladen.

Professionalisierung, aber ohne Forschung

In Sachen Professionalisierung steht die Erweiterung der Kommunikations- und Management-Fähigkeiten sowie das Networking an erster Stelle. Investitionen in eigene oder akademische Forschungsprojekte rangieren im europäischen Durchschnitt ziemlich weit unten, lediglich in Südeuropa scheint die Situation etwas forschungsfreundlicher zu sein.

Im Report schwingt daher verständlicherweise ein leicht bitterer Unterton mit: “When looking at enhancing professionalism the respondents are not willing to invest significantly. They view communication mainly as a personal skill and not so much as organisational competence. Across the sectors and the regions very few are willing to support new knowledge development through academic research.”

Zukunftsaspekte

Wann immer PR-Fachleute sich zur Zukunfft äußern, ist Vorsicht angebracht. Sie sind, so der European Communication Monitor 2010, schlechte Prognostiker und überschätzen regelmäßig die künftige Bedeutung von PR-Disziplinen. Und zwar beträchtlich. (Sie befinden sich damit jedoch in guter Gesellschaft, z.B. der Zukunftsforscher.)

Die Bedeutung der Kanäle und Instrumente wandelt sich in den nächsten 3 Jahren

Eine deutliche Verschiebung in der Wichtigkeit der Kanäle und Instrumente zeichnet sich in den nächsten Jahren ab (Quelle: ECM 2010, www.communicationmonitor.eu)

Ziemlich deutlich ist aber die Einschätzung der TeilnehmerInnen über den deutlichen Bedeutungsverlust, den Printmedien als Kommunikationkanal in den nächsten drei Jahren erfahren werden. Sie werden weit hinter Online-Medien, Online-Communities und Social Media zurückfallen. Allerdings haben die Erhebungsrunden zwischen 2007 und 2010 vergleichbare Prognosen getroffen, die sich aber bei weitem nicht so erfüllt haben.

Social Media an der Spitze

Dennoch: Gerade die verschiedenen Instrumente und Kanäle der Online-Welt haben in der Einschätzung der Befragten einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, wobei Social Networks (wie Facebook), Online-Video und vor allem de Micro-Blogging-Dienst twitter die größten prozentuellen Zuwächse verbuchen konnten.

Die Erwartungen für die kommenden 12 Monate sind vergleichbar hoch, die stärksten Zuwächse werden Online Videos, Online Communities und Weblogs zugetraut.

Die europäische PR-Branche ist schlecht gerüstet

Allerdings ist die PR-Branche dafür schlecht gerüstet. Nur zu einem Viertel sind die Basis-Voraussetzungen (Tools, Social Media Guidelines, Key Performance Indicators, Trainingsprogramme etc.) schon vorhanden, und bei der Mehrheit noch nicht einmal in Planung! Nur börsenotierte Unternehmen haben hier einen Vorsprung sowie die Region Westeuropa (zu der auch AT gezählt wird).

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