„Die Pressekonferenz ist eine ungenutzte Bühne“
Bei einer Pressekonferenz ist meist die volle PR-Aufmerksamkeit auf die Redakteure gerichtet, der Frau oder dem Mann hinter der Linse wird dagegen kaum Beachtung geschenkt. Und das, obwohl das Bild zumindest dem Sprichwort nach mehr als tausend Worte sagt.
Seit 30 Jahren fotografiert Robert Newald unter anderem für den Standard, die APA oder die Wiener Zeitung. Er gehört damit zu den bekanntesten Menschen hinter den Foto-Objektiven. Und dies, obwohl er sich selbst in seiner Rolle als „subjektiv“ beschreibt.
Am 1. Juni erklärte er rund 20 PRVA-Mitgliedern beim PRofi-Treff „Pressefotograf: Freund oder Feind?“ seine Verwunderung über das große Unverständnis in der PR, richtig mit Fotos und auch richtig mit Fotografen umzugehen. Aus seiner Sicht sind die Pressekonferenz und das Interview eine ungenutzte Bühne. „PK“ und Interviews finden selten in spannenden Räumen statt, und häufig sind die Sprecher verschwitzt, sitzen vor Fenstern (Gegenlicht!), Spiegeln oder sie sind hinter grünen Flaschen und aufgeklappten Laptops versteckt.
„Der Fotograf ist an einem guten Foto interessiert und auch er braucht eine G´schicht und dafür Raum“, sagt Newald, „selten”, so seine Beobachtung, “überlege sich die Pressestelle ein Bild vor der Pressekonferenz.“ Eine Bank könne in der Filiale oder im Tresor, ein Stahlunternehmen zum Beispiel in der Fabrik Konferenzen abhalten, das gebe “mehr her”. Ein eigener Fototermin kurz vor der Pressekonferenz wäre auch eine Lösung.
„Jedes Unternehmen hat einen spannenden Ort oder eine spannende Aussage”, so der Fotograf, „Die Sprecher könnten auch bezeichnete Dinge wie Urkunden in der Hand halten, meist sind sie aber hinter Hoteltischen verbarrikadiert. Die Politik-PR sei da schon etwas weiter. Eigenartig findet Newald auch, dass die Generaldirektoren und CEOs für Fotografen meist nur Nachnamen (Namensschilder!) haben.
Praktische Ratschläge für den Umgang mit dem Bild
- Dateiformat: JPG
- Größe: 2.500 Pixel auf der Längskante
- Mode: RGB (Rot, Grün, Blau)
- Dateiinformation (meist unter Bildeigenschaften zu finden): unbedingt beschreiben, da Bild sonst nicht archiviert wird
Do’s and Don’ts bei Pressekonferenzen und Interviews
- Lichtverhältnisse: Sprecher nicht vor Fenster oder Spiegel setzen
- Raum: Platz und Zeit für Fotografen schaffen (eigener Fototermin, erste Reihe reserviert)
- Glaskrug statt Unzahl von „grünen Flascherln“
- Keine aufgeklappten Laptops
- Schminke: Auch Männer vertragen Puder (das hilft gegen den Perleffekt beim Schwitzen)
- Ein A4-Blatt mit Name der Pressekonferenz, Namen der Sprecher und Funktionen hilft den Fotografen und Kameraleuten

