10. 9. 2010

Januar 18, 2010 von CR  

Abgelegt unter Literatur

Schickes Lehrbuch für Praktiker

Franzisca Weder: Organisationskommunikation und PR
Facultas Verlags- und Buchhandels AG, Wien 2009

Als schlichtes „Lehrbuch“ apostrophiert Franzisca Weder ihr Werk „Organisationskommunikation und PR“. Wer diese sperrige Hürde neugierig überspringt, findet ein konzises, aber gleichzeitig umfassendes Kompendium des aktuellen Theorie-, teilweise auch Praxisstandes zum umfassenden Komplex Kommunikationsmanagement, Public Relations und (fast) allen damit zusammenhängenden Synonymen und verwandten Fachbereichen.

Weder versucht dabei, einerseits einen lückenlosen Überblick über Entwicklung und state of the art von Begriffsdimensionen wie Organisation und Kommunikation über Public Relations, Marketing, Corporate Identity und Integrierte Kommunikation bis hin zu Stakeholder Management oder Kommunikationscontrolling zu geben. Sie zeigt Widersprüche, Parallelen aber auch Forschungsergebnisse auf, all das mithilfe hunderter namhafter Quellen und eigener Analysen.

Der Versuch, etwas Licht in den Begriffsdschungel der Organisationskommunikation zu bringen, kann freilich nur teilweise gelingen. Zu umfassend und konträr sind die Sichtweisen in der einschlägigen Literatur, zu vielfältig sind die Begrifflichkeiten, die mal für ein- und denselben Sachverhalt, ein andermal für ganz unterschiedliche Zusammenhänge verwendet werden. Siehe nur die Disziplin der „Organisationskommunikation“: Der eine versteht darunter den Überbau über sämtliche Kommunikationsbereiche einer Organisation, der andere nur die Kommunikation innerhalb einer Organisation.

Dass die Theorien von PR von rein medienzentrierter Informationstätigkeit bis zum Verständnis umfassenden Kommunikationsmanagements reichen, wird ebenso anschaulich dargestellt wie etwa die unterschiedlichen Begriffe, die in der Kommunikationsbranche für die Rezipientengruppen verwendet werden: Von Stakeholder oder Bezugsgruppe über Interessengruppe bis Anspruchsgruppe oder Zielgruppe (alles mit konkreten Quellenangaben) – bloß die in Österreich üblichen Zuschreibungen „Dialoggruppe“ oder „Teilöffentlichkeit“ werden ausgespart.

So werden Theorieansätze verschiedenster Provenienz beleuchtet, ob nun von Öffentlicher Kommunikation, Gesellschaftskommunikation, Unternehmenskommunikation, Organisationskultur, Kommunikationspolitik oder Corporate Communications (und noch vielen, vielen anderen Begriffszugängen zum Thema) die Rede ist.
Aber wie gesagt: Die Autorin analysiert, sortiert und strukturiert – und produziert damit eine wirklich respektable Zusammenschau aller wesentlicher Standpunkte und Lösungsansätze. So gesehen, könnte man auch den Begriff „Lehrbuch“ gelten lassen – ein Lehrbuch im Sinne eines Fachbuches. Meines Erachtens aber nicht nur für Studierende oder Wissenschaftler, sondern gerade auch für Praktiker, die schon lange Orientierung und Hintergrundwissen im immer dichter werdenden Dickicht der Kommunikationsbranche samt ihren Wurzeln und Grundlagen suchen.

Höchste Zeit, dass mit diesem Büchlein der Versuch unternommen wurde, die ausufernde, ja metastierende Welt der Theorien über „Institutionelle Kommunikation“ (c F. Bogner zur Erweiterung des Begriffsdschungels) in klarer und intensiver Kurzform einzufangen.
Fazit: Versuch gelungen, Patient lebt, Wissenszuwachs enorm.

Franz Bogner

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